Franz Xaver Hagl Dorfchronik - Hochwasser 1951 Ortszentrum
Bildstrecke

07.12.2021
Hochwasser in Mauern

In unserer Ausgabe von Mauern Aktuell 2021 haben wir wieder unsere geschichtliche Reihe über Mauern fortgesetzt. Im Teil 8 angelangt, befasst sich der Artikel mit den Hochwasserereignissen in der Vergangenheit. 

Grundlage hierfür war die Dorfchronik von Franz Xaver Hagl, der zu den Ereignissen auch ein umfangreiches Bildmaterial zusammengestellt hat. Ein paar davon sind auf dieser Seite veröffentlicht.

aus Mauern Aktuell 1/21


Hochwasser in Mauern

Aufgrund seiner Lage am Zusammenfluss dreier Bäche wurde das heutige Gebiet von Mauern schon sehr früh besiedelt. Der Weg zum Wasser war nah, der Boden fruchtbar und gute Ernten damit relativ wahrscheinlich.

Doch immer schon hatte die Einwohner von Mauern aufgrund dieser Lage mit Hochwassern zu kämpfen. Meist ist es der Hörgertshausener Bach, der sich am Zusammenfluss der drei Bäche zurückstaut und dabei den Ortskern überflutet.

Für das Jahr 1909 ist zum ersten Mal von einem Hochwasser in Mauern zu lesen. Die dazu in 1951 befragten Personen schildern aber ein relativ geringes Ausmaß 

Aus dem Jahr 1940 sind die ersten Hochwasserbilder vorhanden. Hier war die Ortsmitte betroffen, auch am Sägewerk sind große Schäden entstanden, vor allem die Verluste durch vom Bach davongeschwemmte Bretterstapel waren enorm.

Das wohl schwerste Hochwasser gab es in Mauern am 16. Juli 1951. Die Entstehung war ganz ähnlich dem Hochwasser am 30. August dieses Jahres. Es hatte in den frühen Morgenstunden zu regnen begonnen. Die Anwohner rechneten nicht mit einem derartigen Flutereignis und öffneten am Morgen nichtsahnend ihre Haustüren, durch die sofort das Wasser ins Hausinnere drang.

Da auch aus Hörgertshausen bereits immense Wassermassen vom Bach herangebracht wurden, stieg das Hochwasser sehr schnell an. Während noch versucht wurde Hab und Gut und den Viehbestand in Sicherheit zu bringen, drang das Wasser bereits in die Wohnstuben ein und löschte die Herdfeuer aus. Die Anwohner wurden vor allem von der Schnelligkeit der Ereignisse überrascht. Die Zeit reichte teilweise wirklich nur noch dazu, die Kinder aus dem Schlaf zu reißen und sich und die Familie in Sicherheit zu bringen. Bei 17 Anwesen entlang des Baches stand das komplette Erdgeschoss unter Wasser. Besonders schlimm war, dass ein kleiner Eisensteg, vor allem aber die Betonbrücke bei der Mühle den Bach zusätzlich aufstauten, bis schließlich die Betonbrücke durch die Gewalt der Wassermassen fortgespült wurde. Durch mitgespülte Steine, Betonbrocken und die Holzstämme, die aus dem Sägewerk Weichsberger mitgerissen wurden, wurden bachabwärts zahlreiche Gebäude beschädigt, unter anderem wurde aus der Mauer des Schlosses ein deutliches Loch herausgerissen.

Zwar entstanden durch das Hochwasser und die versuchten Rettungsmaßnahmen einige Verletzungen, es war aber glücklicherweise kein Todesfall zu beklagen. Die Schäden waren für die Menschen damals dennoch enorm. Zum Teil waren Haustiere, vor allem kleinere Tiere wie Schafe und Ferkel, sowie Hühner den Fluten zum Opfer gefallen, da sie nicht mehr rechtzeitig aus den Ställen befreit werden konnten. Beim Wisheuwirt ertrank eine Kuh in den Fluten. Gelagerte Lebensmittel wurden vernichtet und Möbel und Gebrauchsgegenstände gingen kaputt. Bei der Metzgerei Hagl wurden viele technische Geräte, die in der Wurstherstellung verwendet wurden, so schwer beschädigt, dass sie nicht mehr verwendet werden konnten. Ebenso entstanden an den Gebäuden große Schäden. Das Sägewerk konnte nur durch den Einsatz aller vor dem Einsturz bewahrt werden. Bei den Baufirmen Hilz (heute Fahrschule) und Scheidl wurden eingelagerter Zement und Putz, sowie Farbe zerstört. Außerdem wurden Obst-und Gemüse auf den Feldern und in den Gärten vernichtet, auf das die Einwohner damals zur Nahrungsversorgung bauten.

Aufgrund des Ausmaßes der Überschwemmung  im gesamten nördlichen Landkreis machte sich der damalige Landrat Dr. Philipp Held damals begleitet von einem Vertreter des Resident Officer auf in das Hochwassergebiet. Dort mussten die offiziellen Vertreter die letzten Strecken barfuß mit aufgekrempelten Hosen durch überschwemmte Straßen zurücklegen und waren ebenfalls erschüttert über die erheblichen Schäden. Jedenfalls wurde von Seiten des Landkreises und er Regierung von Oberbayern umfangreiche Hilfe für die Aufräumarbeiten zur Verfügung gestellt.

Gegen Nachmittag ließen dann endlich auch die Regenfälle nach und die Bäche fanden relativ schnell wieder in ihr vorgesehenes Bett zurück. Bis aber alle Schäden beseitigt waren dauerte es noch viele Monate.

Auch in späteren Jahren (z. B. 1990, 1994 und 1995) gab es wieder Hochwasser in Mauern. Durch immer wieder durchgeführte Maßnahmen zur Hochwasserfreilegung und der weit höheren Aufmerksamkeit der Anwohner und der Leistungsfähigkeit, die die Freiwillige Feuerwehr mittlerweile erzielt hat, erreichten diese jedoch Gott sei Dank nicht mehr die Gefahrenlage wie 1951. Dennoch entstanden und entstehen immer wieder erhebliche Sachschäden.